Betreff: Re: Hobbys....
Hehe, du hörst dich an wie Käfer.

Aber Vintagefan ist man halt aus Überzeugung und weil man nicht nur vom Aussehen der Uhren, sondern auch von der Technik und der Geschichte fasziniert ist.
Eine Sache stimmt allerdings und stört mich auch gewaltig an den Uhrenfans: Die Spirale drehte sich in den vergangenen Jahren unheimlich schnell nach oben. Es gab vor einigen Jahren eine Zeit, als vergleichsweise günstige Tickerchen noch gleichberechtigt neben den Luxusteilen (und jetzt bitte keine Luxusdiskussion) bestehen konnten. Da rümpfte niemand die Nase. Aus irgendeinem nicht näher nachvollziehbaren Grund musste dann aber plötzlich jeder eine Omega haben (da werfe ich nicht den ersten Stein, die Speedy ist einfach toll), und von dort aus ging es locker weiter. Inzwischen gewinnt man den Eindruck, dass die Lexen und IWC am Armgelenk Pflicht sind - und auch dort ist den Trägern nicht bewusst, dass Rolex-Werke auch in Masse produziert werden oder manche IWC oder Breitling für 4.000 / 5.000 Euro ein ETA-Werk für 300 Euro beheimatet.
Letztlich halte ich das Gekeife gegen ETA für albern. 99 Prozent der Leute kaufen eine Uhr, weil sie gut aussieht und Prestige verströmt. Ob da nun ein ETA oder ein "Manufaktur"-Werk drin tickert, spielt im Alltag sowieso keine Rolex. Denn: Bei den Chronos leistet ein ETA 7750 genauso gute Arbeit wie irgendeine Neuentwicklung aus der Manufaktur-Ecke. Und wenn eine Marke die Berechtigung hat, ein Massenwerk aus dem Hause Swatch zu verbauen, dann doch wohl eine Uhr aus dem Hause Swatch. Und Otto Normalverbraucher lacht sich sowieso kaputt, weil seine 10 Euro-Plastikuhr aus dem Supermarkt viel ganggenauer und pflegeleichter ist als so mancher Klops am Arm. Da beneide ich auch die Vintage-Fans. Die haben sich ihre Nische gesucht, in der sie einigermaßen glücklich und ungestört ihrem Hobby nachgehen können.
Dass eine Marke inzwischen nur noch ein Portfolio-Bestandteil eines großen Konzerns ist, darüber sollte sich der Konsument sowieso bewusst sein. Bei der Kleidung ist das wohl noch krasser als bei den Uhren. Aber zumindest Swatch und dem guten Nicolas Hayek sollte man dankbar sein, dass sie sich die ganzen Traditionsmarken einverleibt haben. Sonst wären einige Weckerchen heute gar nicht mehr da.