Betreff: Re: Entdeckt bei Ebay
Off-Topic:Ich halte mich mit politischen Statements im Internet sonst immer sehr zurück und werde auch dieses Mal keine Grundsatzdiskussion führen, ABER was mir in der gegenwärtigen Debatte bitter aufstößt, ist der latent überheblich und antiintelektuelle Tenor, man solle nicht so einen Aufstand wegen ein paar Zitaten und fehlender Fußnoten machen, es gäbe schließlich wichtigere - "richtige" - Probleme. Das ist eine Beleidigung und ein Schlag in's Gesicht für jeden, der wissenschaftlich arbeitet. Denn mit solchen Aussagen werden nicht nur akademische Grundsätze mit Füßen getreten, sondern solcher Betätigung wird schlicht ihr Wert abgesprochen. Wir reden hier über Diebstahl geistigen Eigentums. Dinge, die andere Menschen erarbeitet haben, werden von jemandem vereinnahmt. Wie große wäre das Geschrei gewesen, wenn der Herr Minister eine Nobelkarosse entwendet hätte?
Ganz davon abgesehen, dass man für jede Dissertationsschrift explizit bestätigen muss, die Arbeit eigenhändig und ohne Nutzung anderer als der erlaubten und aufgeführten Hilfsmittel (ich bin nicht sicher, dass der aus Steuermitteln finanzierte Recherchedienst des Bundestages dazu zählt
) erstellt hat. Der Minister hat Glück, dass in Bayreuth offenbar das "Ehrenwort" in diesem Zusammenhang reicht (in Berlin müssen die Studenten z.B. eine eidesstattliche Erklärung abgeben) - aber was ist dieses Ehrenwort noch wert angesichts der aufgedeckten Verfehlungen (sorry, aber es fällt mir schwer, bei seitenweise kopierten Texten, in denen einzelne, möglicherweise auf den ursprünglichen Verfasser weisende Textbausteine entfernt oder verändert wurden, an ein Versehen oder Unachtsamkeit zu denken). Trotz Wortbruchs mag er als Verteidigungsminister seine Befürworter und Stärken haben, dass nun aber in dieser Affäre (und dieser Vorwurf gilt nicht Dir, Aldridge) auch die unlängst gefallenen drei Soldaten instrumentalisiert werden, halte ich für moralisch überaus verwerflich, denn die haben nun wirklich nichts mit der Dissertation zu tun.