Betreff: Re: Der letzte Film
Terry Pratchett: Going Postal - Die bisherigen Pratchett-Verfilmungen waren zwar liebevoll gemachte Produktionen und übertrugen ihre Buchvorlagen werkgetreu Szene für Szene ins Fernsehen. Doch litt die Dramaturgie arg unter den dreistündigen Umsetzungen, so dass die Handlung plätscherte und die Darsteller eher chargierten, als mit Witz und Elan bei der Sache zu sein. "Going Postal" hält sich ebenfalls streng an sein literarisches Vorbild, funktioniert jedoch in jeder Hinsicht: Feucht von Lipwigs Werdegang zum Postminister von Ankh-Morpok ist flott und ohne Hänger, die Romanze mit der stacheligen Adora zündet, die Pointen sitzen und die Schauspieler nehmen ihre Figuren angemessen ernst. Die TV-Produktion schafft es sogar, die surrealen Passagen der Buchvorlage zu glätten. Also endlich mal eine würdige Pratchett-Umsetzung, die Lust auf mehr macht (sprich: auf den Nachfolger "Schöne Scheine"). Doch eigentlich wäre so langsam mal ein Nachtwächter-Roman an der Reihe (am liebsten mit einem alten und müden Bruce Willis als Sam Mumm, aber das bleibt wohl ein Wunschtraum

).
300 - Heieieiei, der Film macht es seinen Kritikern wirklich leicht. Ich hatte den Streifen eine ganze Weile nicht mehr gesehen und anscheinend den pathetisch-martialischen Off-Text, der die Spartiaten regelrecht zu Herren..., äh, Übermenschen stilisiert, verdrängt. Da werden das Leben als Kampf geschildert, die genetische Auswahl der Spartaner idealisiert, Feinde als korrumpierte und missgebildete Gestalten charakterisiert und die Schar der aufrechten Krieger ausgerechnet von einem Krüppel verraten. Dem gegenüber steht eine schlicht traumhafte Optik. Regisseur Zack Snyder hatte zur Premiere oft genug beteuert, dass er die Spartaner als Figuren mit zweifelhafter Moral vorstellt und somit genügend Distanz schafft. Dafür aber werden die Spartiaten einfach zu menschlich und vor allem Leonidas zu sympathisch gezeichnet. Unterm Strich bleibt ein cooler Bilderrausch, den man inhaltlich möglichst nicht zu ernst nehmen sollte (auch wenn der Off-Text es einem schwer macht).