Betreff: Re: Der letzte Film
@ Toth: Die Diskussion geht ja doch weiter...
Du hast den Film als Meisterwerk bezeichnet. Da kann ich guten Gewissens höhere Maßstäbe in punkto Inszenierung und Drehbuch ansetzen. Und gewisse Elemente der Geschichte sind ganz einfach zu schlicht. Es kommt nicht von Ungefähr, dass der Film von vielen Filmfans als pathetisches Weltkriegs-Abenteuer bezeichnet wird (wohlgemerkt nicht meine Meinung, aber ich kann nachvollziehen, wie es zu diesem Urteil kommt).
Abgesehen davon, weiß ich ehrlich nicht, was du willst. Ich habe geschrieben, dass ich den Film für
großartig halte, aber kleinere Schwächen vorhanden sind. Willst du eine unreflektierte Jubelarie, nur weil Spielberg Regie geführt hat? Die wirst du nicht bekommen. Wir nehmen den Film eben auf unterschiedliche Weise wahr.
Die Stärken des Films liegen ganz klar auf der technischen Seite. Spielberg arbeitet mit dokumentarischen Mitteln, um den Zuschauer direkt ins Geschehen zu versetzen und ihn das Grauen des Krieges spürbar werden zu lassen, so gut ein Film das zu können vermag. Dabei ist es auch ein besonderer Kunstgriff, den Zuschauer gleich zu Beginn 25 Minuten unter Dauerfeuer zu setzen, um ihn den Rest des Films unter dem Eindruck des grausamen Umfelds erleben zu lassen. Das kann bei genauerem Hinsehen aber nicht verschleiern, dass die Story der technischen und inszenatorischen Brillanz weit hinterher hinkt. Der Film will eine gewisse Sinnlosigkeit des Gezeigten verdeutlichen. Hehres Ansinnen. Dazu konstruiert er seine Geschichte aber arg und schreckt auch nicht vor Klischees und Stereotypen zurück. Und da - um den Kreis zu schließen - stellt sich eben die Frage, ob ein Kriegsfilm oder Antikriegsfilm dem Krieg überhaupt gerecht werden kann, da er den Wahnsinn stets in einer Dramaturgie pressen muss, um ihn "erzählen" zu können.

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mal editiert, das letzte Mal am 07.12.2010, 15:50 von Aldridge.