Komplettes Thema anzeigen 06.12.2010, 16:22
Aldridge Abwesend
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Betreff: Re: Der letzte Film
Keine der amerikanischen Figuren aus der Eröffnung hat eine ähnliche (und v.a. ähnlich breitgewalzte) Vorgeschichte wie dieser deutsche Soldat. Die GIs, die einige Deutsche abknallen, waren noch zwei Sekunden zuvor mitten im Kampfgetümmel und offensichtlich noch nicht ganz Herr ihrer Handlungen. Als Kontrast dazu kriegen wir aber einen "undankbaren" Deutschen präsentiert, dem die Amis zuvor noch das Leben geschenkt hatten und der sich nicht gerade dankbar zeigt, sondern sogar noch die Sympathiefiguren abmurkst. Das ist schon arg konstruiert und wirkt auf den Zuschauer ganz einfach anders als die wackeren GIs, die um ihr Leben kämpfen.

Versteh mich nicht falsch: Ich halte Private Ryan insgesamt für großartig. Aber dennoch muss man gewisse Schwächen mal ansprechen dürfen, perfekt ist er nunmal nicht. Er hat aber auch das Problem, seine Kriegsgeschichte in recht komprimierter Form in 2,5 Stunden runterspulen zu müssen. Da passiert es schnell, dass die Suche nach der Titelfigur schnell wie eine comichafte Abenteuergeschichte anmutet. Das ist übrigens der Vorwurf, den sich damals auch der bereits genannte "Big Red One" gefallen lassen musste (vor der "Reconstruction"). Aber gibt es überhaupt den perfekten (Anti)Kriegsfilm? Kann es den überhaupt geben?

Zu Young Indy: Ich habe nicht gesagt, dass die Serie die Ästhetik von Private Ryan vorweg genommen hat. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Spielberg das Gezeigte schon wahrgenommen hat, das ist einfach zu naheliegend. Er hat das Ganze technisch sicherlich noch auf die Spitze getrieben, dazu hatte er bei einem Spielfilm ganz einfach mehr Zeit und mehr Geld. Letztlich sind sich die Kampfszenen in der Serie und im Film aber sehr ähnlich. Vorherige Filme haben das Kampfgeschehen nicht so gezeigt. Nehmen wir "Platoon": Der setzte seinerseits neue Maßstäbe, was die gezeigten Grausamkeiten angeht, aber er war trotzdem anders inszeniert. Peckinpah in "Steiner"? Coppola in "Apocalypse now"? Malick in "Thin Red Line"? Diese Filme zeigten den Kampf schon deutlich anders, um nicht zu sagen: konventioneller.