Komplettes Thema anzeigen 10.08.2010, 09:29
Aldridge Abwesend
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Betreff: Re: Club der Milliardäre
Hey Marion,

was ist? Schlecht geschlafen, oder was sollen die Beleidigungen? Dreh den Ton etwas zurück, dann können wir drüber reden.

Ach, was soll´s. Ich versuch´s mal, ohne dass man mir hoffentlich rechtes Gedankentum unterstellt... Zwinkernder Smiley

1. Milliardäre: Ein Phänomen, das mir in Deutschland immer wieder auffällt, in virtuellen Foren genauso wie am realen Stammtisch, ist die Neiddebatte. Wenn über Reiche oder über Manager oder über Politiker geredet wird, dann findet da automatisch eine Vorverurteilung statt - die doch letztlich meist auf Neid basiert. Wo bitte steht denn geschrieben, dass sich ein Milliardär automatisch an der Gemeinschaft bereichert hat? Natürlich erzielen sie über die Tätigkeit ihrer Mitarbeiter einen Mehrwert. Aber so funktioniert´s nun mal.

Die Milliardäre, über die hier geschrieben wird, sind nicht alle mit einem goldenen Löffel aufgewachsen und haben auch keinen Sklavenhandel betrieben. Nehmen wir mal Bill Gates: Der hatte zwar reiche Eltern, aber auch eine gewisse Begabung. Jedem anderen hätte genauso freigestanden, genauso klein anzufangen und entsprechend erfolgreich zu wirtschaften. Man kann darüber diskutieren, wie das Unternehmen später auf dem Markt agierte. Aber so hätte jedes Unternehmen gehandelt, das seine Marktmacht behalten will. Jeder kann die Entscheidung treffen, sich auf diesem Markt selbstständig zu machen. Und er kann genauso gut die Entscheidung treffen, Mitarbeiter bei Microsoft zu werden mit allen Vergünstigungen, die das haben mag wie regelmäßiges Gehalt, Fortbildungen, Dienstwagen, Krankenversicherung, Absicherung im Fall der Arbeitslosigkeit, Betriebsrente etc. Die meisten dürften sich aus Bequemlichkeit oder wegen eines persönlichen Sicherheitsbedürfnisses für die zweite Variante entscheiden. Aber dann bitte nicht meckern, man werde ausgenutzt.

Bei einem George Lucas sieht es noch anders aus: Der Papa war Schreibwarenhändler, und Jung-Georg hatte nicht sonderlich viel Kohle zur Verfügung - dafür aber eine gute Idee.

Jegliche Diskussion zum Thema Managergehälter (die durchaus kritisch zu sehen sind) etc. halte ich mal hier raus. Sonst fasert die Diskussion komplett aus.

2. Spendenfreudigkeit und "Tamtam": Die Diskussion wird aus deutscher Sicht geführt. Und in Deutschland haben wir - im weitesten Sinne trotz HartzIV - einen Wohlfahrtsstaat. Das heißt: Es ist Staatsaufgabe, Steuern so umzuverteilen, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht zu weit auseinander geht und niemand durchs soziale Raster fällt (ja, inwiefern das glückt, kann man auch diskutieren, ich bin z.B. ein großer Kritiker von HartzIV, aber das ist ebenfalls ein anderer Kriegsschauplatz). In den USA haben wir das in diesem Maße nicht. Spenden gehört für Reiche ganz einfach dazu, sei es um der Gesellschaft etwas zurück zu geben, sei es auch um gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen. Aber es ist doch eine irrige Annahme zu glauben, dass ein Bill Gates 25 Mrd. Dollar rauswirft, um seinen Laden abzufeiern. CSR gehört für viele Unternehmen eh dazu, etwa über Spenden, Sponsoring oder eigene Stiftungen. Das hätte er also viel billiger haben können. Oder mal andersrum argumentiert: Für 25 Mrd. Dollar hätte er auch die Leitmedien in den wichtigsten Staaten der Erde kaufen können.

Wie gesagt: Man kann es kritisch sehen, dass ein Milliardär die Aufgabe der Umverteilung nicht dem Staat überlässt. Ich kann aber auch verstehen, wenn er Steuern und damit die Subventionierung der Bürokratie umgehen will. Wer würde das nicht gerne tun? Zwinkernder Smiley

3. Der Spiegel: Naja, aus linker Sicht ist das Blatt vielleicht in der Mitte angesiedelt. Im Vergleich zu Focus oder - irgendwie - Stern ist er aber doch ein wenig linksseitig. Wenn ich mir allein die Berichterstattung seit Anfang des Jahres zur Bundesregierung (ok, ist ´ne Schießbudenveranstaltung) anschaue, dann hat das nichts mehr mit kritischer Berichterstattung, sondern mit Kampagnenjournalismus zu tun. Ich verweise mal auf den Titel mit Merkel und Westerwelle, wo groß "Aufhören!" drüberstand. Von einem Leitmedium dürfte man etwas mehr erwarten.

Grüße -
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, das letzte Mal am 10.08.2010, 13:38 von Aldridge.