Betreff: Re: Club der Milliardäre
Zitat von Dark Hunter:
Und dennoch stellt sich mir dennoch die schlichte Frage, warum das Theater? Herr Gates hat seit mehr als 2 Jahrzehnten auch ohne einen namensträchtigen Club Abermilliarden in einer gemeinnützigen Stiftung extra unter Hoheit seiner Frau am Laufen, zusammen mit Mr. Buffet, was anscheinend weitaus weniger in der medialen Aufmerksamkeit stand. Die Aktion jetzt ist ein Publicitygag, nicht mehr. Er hat bereits vor 2 Jahren (muss wohl eine Menge hier nicht bemerkt haben, was?) im Kleinen angekündigt sein Vermögen weitgehend in diese Projekte zu stecken. Da Herr Gates Ruf in letzter Zeit allerdings auch stark litt und sein Unternehmen zunehmend auch gerade in den Staaten und Europa dank diverser Prozesse in Verruf geriet, ebenso wie Börsianer im Stile Buffets und Co. aus naheliegenden Gründen, fällt es nun einmal auf, dass sie jetzt für etwas Öffentlichkeit suchen, was noch vor nicht allzu ferner Zeit von ihnen schlicht ohne das ganze Drumherum getan wurde.
Naja, der Spruch "Tue Gutes und rede darüber" ist älter als die professionelle PR selbst. Das lege ich nun wirklich keinem mehr zum Nachteil aus...
Die Frage, warum die Herren das an die große Glocke hängen, ist für mich zunächst zweitrangig. Ich denke mal, sie machen es publik, weil es sich um eine konzertierte Aktion handelt und erstmals eine Summe zusammengekommen ist, die das BIP mehrerer Entwicklungsländer zusammen in den Schatten stellen kann. Bislang hat halt jeder für sich mit vergleichsweise (!) geringen Beträgen herumgewurschtelt. Wenn jetzt aber einige Herren auf einen Schlag die Hälfte ihres Vermögens raushauen, dann ist das grundsätzlich erstmal ein großer Schritt. Und: Es ist grundsätzlich eine Nachricht.
Man muss es mal so sehen: Allein Bill Gates wird wohl annähernd 25 Mrd. Dollar spenden. Das ist eine Summe, die im deutschen Bundeshaushalt schon ein nettes Loch reißen könnte. Ich würde die Aktion nicht damit begründen, dass der Ruf von Herrn Gates oder von Börsenmanagern allgemein angekratzt ist. Das Image von Bill Gates war schon immer schlecht, und Warren Buffet dürfte sich in seinem Alter und mit seinem Geld auch nicht darum scheren, ob die Finanzkrise das Bild der Börsianer in der Öffentlichkeit angekratzt hat. Wenn diese Herren Publicity wollen, dann ruft ihr Sprecher (wohlgemerkt: Ein Unternehmen wie Microsoft hat mehr Presseleute, als ein großer Haufen Zeitungen an Redakteuren zusammenbekommt) bei einem Leitmedium an, fragt: "Wollt ihr ein Exklusivinterview zum Thema XY?" und dann kriegt der Mann seine Seite. Und die Infos aus diesem Interview verbreiten sich dann durch verschiedene Nachrichtendienste und Newsportale automatisch im Netz.
Zitat von Dark Hunter:
Das soll nicht heißen, dass es schlecht ist, sondern ist nur eine simple Feststellung und Beobachtung, wie leicht Beeinflussung funktioniert. Für mich von Beobachterseite schlicht interessant zu sehen, wie der Plebs da funktioniert. Wenn du meinst, dass reine Beobachtung und Situationsanalyse eine deutsche Unart ist, sei dir das belassen. Für mich ist es nur belustigend Aktion und Reaktion bei menschlichem Gruppenverhalten zu betrachten und dieses Schauspiel ist da eine Glanzleistung, wie es sie in der Menschheitsgeschichte immer wieder gab.
Das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass es typisch deutsch ist, zunächst mal kritisch auf so etwas zu reagieren und selbst bei einer im Grunde positiven Nachricht das Negative zu suchen (doch dazu unten mehr). Reine Beobachtung findet nicht statt, vielmehr Interpretation. Und unterstell bitte nicht, dass ich durch solche Nachrichten beeinflussbar bin. Ich dürfte ganz gut wissen, wie die Mechanismen funktionieren.
Und natürlich stellt sich mir die Frage: Warum macht ein Steve Jobs nicht mit (dessen Firma die Anwender seiner Produkte schlimmer knebelt als Microsoft)? Warum steckt ein Dietmar Hopp seine Millionen lieber in einen Fußballclub anstatt komplett in gemeinnützige Einrichtungen? Die Leutchen haben sicherlich ihre Stiftungen. Und ist doch schön, dass im Rahmen der Gates-Spenderei auch darüber mal geschrieben wird.
Zitat von Dark Hunter:
Was unsere Bereitschaft angeht, kommt es wohl darauf an. Schlicht nämlich darauf, wie viele Möglichkeiten man hat. Selbst wenn Herr Gates und Buffet die Hälfte ihres Vermögens abgeben (und ob sie wirklich auf die steuerlichen Vorteile verzichten, bleibt zu beweisen, da Spenden in den Staaten steuerlich absetzbar ist), haben sie mehr, als sie in 10 Leben verbrauchen könnten. Wenn ich die Hälfte meines derzeitigen Vermögens spende, bleibt mir weniger, um damit auch nur ein Jahr zu überleben. Der Vergleich hinkt also. Dennoch spenden viele Deutsche eine ganze Menge jedes Jahr und sicher auch einige von uns, eben nach ihren finanziellen Möglichkeiten, für diverseste Gute Dinge. Verdienst du wirklich mehr, bzw. hast derzeit ein höheres Vermögen, als du für dein gesamtes restliches Leben brauchst? Dann Glückwunsch. Ich wette 99 % der hiesigen Forenmitglieder nicht. 
Mein Beispiel hinkt. Das gebe ich offen zu. Natürlich bleibt den Leuten selbst nach der Spenderei jeweils mehr Kohle, als viele von uns in ihrem ganzen Leben verdienen werden. Natürlich könnten diese Leute und selbst ihre Nachkommen bis in die x-te Generation auf der faulen Haut liegen und könnten noch von dem Geld leben. Was ich deutlich machen wollte: Bevor jemand eine Spendenaktion in dieser Größenordnung kritisiert und den Leuten, die für einen guten Zweck spenden, eine schlechte Absicht unterstellt (und damit bist nicht du persönlich gemeint), der muss sich fragen lassen: Was tut er in humanitäter/karitativer Hinsicht selbst in seinem Leben? Könnte er auf einen gewissen Teil seines Vermögens verzichten? Und jetzt bitte nicht so tun, als nage jeder in Deutschland am Hungertuch.
Aber: Natürlich kann man die Aktion auch kritisch sehen. So kann man hinterfragen, ob die teilnehmenden Milliardäre das richtige Zeichen setzen. Denn bei 150 Mrd. Dollar Spendengeldern hat man eine spürbare Verschiebung von Staatsgewalt (die bislang für das Gemeinwohl zuständig war) hin zum persönlichen Gusto Einzelner. DAS sollte man mal diskutieren...
Grüße -