Betreff: Re: Club der Millionäre
Zitat von Norman:Indem er das an die große Glocke hängt und der Öffentlichkeit mitteilt setzt er andere Geldsäcke etwas unter Druck.
Wenn ich Milliarden verschenken würde, wollte ich aber auch, dass die Leute das wissen, ist ja nicht selbstverständlich!
Also echt!
Warum? Ging auch schon ohne (zumindest eben bei Herrn Gates und anderen seiner Art). Diese Selbstdarstellung zeugt eigentlich nur von Narzissmus, was keine sonderlich tolle Charaktereigenschaft des Menschen ist.
Bislang hielt man sich da zurück und die Superreichen verteilten ihre Reichtümer auch ohne große Gala und Publicity reichlich (es fiel halt Ottonormalo nur nicht so auf, wie wenn man das vor den Augen aller Weltsjournalistik ausbreitet). Allerdings ist es auffällig, dass man in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in solchen Kreisen diesen auch immer wieder herauskehrt und dem Geltungsbedürfnis allzu offen fröhnt. Fast scheint es mir, als brauchen sie das imemr dann, um sich vielleicht auch selbst über Probleme hinwegzuhelfen, oder gar sich und ihrer Umwelt etwas vorzumachen.
Ich bezweifel ernsthaft, dass sich jemand unter Druck gesetzt fühlt, wenn die reichsten Männer der Welt offen amüsante Clubabende und Auftritte geben, um Perlen vor den (Welt-)Plebs werfen. Allenfalls animiert es vielleicht den einen oder anderen geltungsbedürftigen Menschen, da mit aufzuspringen. Wer aber bisher auch sein Geld verteilt hat und vor allem steuerliche Vorteile durch diverste Spendenaktionen bekam, wird das auch weiterhin tun. Egal, ob man da nun eine Show drumherum gibt, oder nicht. Diejenigen, die Reichtum des Reichtums wegen horten, sind sowieso resistent gegen jede Form von Öffentlichem Druck geblieben, um sich von solchen Sachen beeindrucken zu lassen. Ebenso gilt sicher auch, dass wer bisher nicht auf Galatournees und -shows aufgetreten ist und seinem Ego dort nicht schmeicheln lassen musste, da sicher auch jetzt keinen Wert drauf legen dürfte.
Übrigens ist es in anderen Kulturen seit jeher selbstverständlich (insbesondere im angloamerikanischen Raum), dass wohlhabende Menschen ihren Reichtum auch immer wieder verteilen. Die wenigsten Länder haben eine Mentalität wie in Deutschland, wo man sicher sein kann, dass sich der Staat um alle Bürger auch im Notfall kümmert und private Förderung sozialer Projekte somit nicht unbedingt von Nöten sind oder schnell Argwohn und Neid hervorrufen. So gilt es in den Staaten als Selbstverständlich, dass erfolgreiche Absolventen im besseren Karriereverlauf ihrer alten Uni gedenken und dort allerlei Projekte bis hin zu Stipendien für Arme stiften. Bei uns käme wohl keiner auf solche Ideen, da Unis Staatssache sind.
Allerdings darf man sich nichts vormachen, öffentliches Spenden wird seit einigen Jahren tendenziell auch überm Teich fiskalpolitisch mit Steuervorteilen stark gefördert und ist da schon lange nicht mehr der soziale Selbstzweck und die Gutmütigkeit, die es früher teilweise einmal war.
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mal editiert, das letzte Mal am 07.08.2010, 13:30 von Dark Hunter.