Betreff: Re: indy's archäologisches fachgebiet
"Über den Tellerrand schauen" ist eine Sache - natürlich geht auch ein Archäologe nicht mit Tunnelblick und Scheuklappen durch die Welt. Selbstverständlich nimmt er sehr wohl zur Kenntnis, was in den anderen Fächern vor sich geht und sicherlich hat man auch ein oder zwei handfeste Fakten und Funde zur Hand.
Die unterschiedlichen Archäologien sind allerdings heute soweit gediegen, dass es tatsächlich kaum mehr möglich ist, "universell" zu arbeiten. Es ist ja nicht einmal realistisch, innerhalb des
eigenen Faches alle Aspekte, Zeiten und Räume abdecken zu können. Wenn ich ein Experte auf dem Gebiet der Metallzeiten Europas (also Bronze- und Eisenzeit) bin, kann ich sicherlich auch noch etwas zum Neolithikum beitragen und mich auch grob in der römischen, germanischen Frühgeschichte orientieren. Aber wie soll ich da noch den Überblick über feinchronologische Diskussionen zur Entwicklung bestimmter slawischer Gruppen in der Lausitz behalten, wenn ich in meinem eigenen Gebiet "am Ball bleiben" und die sich verschiebenden bronzezeitlichen Kulturgruppen verfolgen muss und möchte? Ganz zu schweigen davon, die Relevanz der jüngsten Entwicklungen im frühdynastischen Ägypten einzuschätzen oder zu erkennen, welche Bedeutung für die jeweilige chronologische Diskussion nun den letzten Funden aus Babylon oder jenen interessanten neuen Bestattungen aus Chile zukommt.
Versteht Ihr, worauf ich hinaus will? Man kann etweder von jedem dieser Forschungsfelder ein bißchen was wissen, ist aber nirgends ein Experte oder man spezialisiert sich auf einen Teilbereich und wird dort zur Koryphäe - so in etwas funktioniert die Wissenschaft.
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mal editiert, das letzte Mal am 17.04.2010, 09:31 von Jens.