Komplettes Thema anzeigen 20.12.2009, 22:09
Aldridge Abwesend
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Betreff: Re: James Camerons Avatar
Jetzt war ich auch drin und bin mit recht frischen Eindrücken zurück. Der Film hat mir sehr gut gefallen und meine Erwartungen durchaus erfüllt. Und diese Erwartung war, einen guten Unterhaltungsfilm zu sehen. Um mal die benutzten Kategorien einzuhalten:

Story:
Die Story ist – wie mehrfach geschrieben – natürlich bekannt aus „Der mit dem Wolf tanzt“. Das Erzähltempo war insgesamt recht hoch, Cameron hat sich nicht lange mit der Exposition aufgehalten, sondern die Grundkonstellation sehr gut „nebenbei“ vermittelt (bis auf die Vergangenheit Sullys und seine Behinderung, da hätten ein bis zwei Minuten mehr drin sein dürfen und seine Entscheidung am Ende vielleicht sogar noch intensiviert). Dennoch hat er sich Zeit für einige ruhigere Momente genommen, die nicht zuletzt Atmosphäre verbreiteten. Was der Film wirklich gut hinbekommen hat, war die Wandlung der Hauptfigur Sully – da war kein spürbarer Bruch, sondern ein fließender Übergang. Lediglich die aus manchen Animes bekannte Ökobotschaft und die Esoterik-„Sit-ins“ fand ich ein bisschen dick aufgetragen. Übrigens: Der Film konzentriert sich mehr auf die Handlung im Stamm und den Konflikt, weniger auf ein breit angelegtes Szenario mit unterschiedlichsten Schauplätzen. Insofern hinkt der Vergleich mit ausführlichen „Welten“ wie „Herr der Ringe“ oder „Star Wars“ etwas.

Figuren:
Die Charaktere sind glaubhaft – allen voran natürlich Sully und die Na´vi. Es fällt schon auf, dass Sully zunächst mehr wie ein Soldat denkt und sich hinterher völlig verändert hat. Auch Neytiris Reaktionen auf den Eindringling und ihre Rolle im Stamm sind gut dargestellt worden. Die blauen Indianer kommen in ihrem Verhalten und in ihren Riten insgesamt sehr glaubhaft rüber. Sigourney Weaver gibt tatsächlich sehr routiniert ihre Diane Fossey-Interpretation zum Besten. Giovanni Ribisi und Stephen Lang erfüllten ihren Zweck, v.a. der Armee-Badass hätte aber gerne etwas facettenreicher angelegt sein dürfen. „Zweckmäßig“ beschreibt die Charakterentwicklung insgesamt ganz gut: Insbesondere die Nebenrolle sind Klischee, aber alle Beteiligten bleiben einem nicht gleichgültig.

Effekte, Design und 3D:
Der betriebene Aufwand ist ohne Zweifel grandios. Die Flora und Fauna von Pandora und genauso die Technik der Menschen („Aliens“ lässt grüßen) sind glaubhaft designt und umgesetzt. Die Na´vi wirken ebenso glaubhaft, MoCap und diese Mimiksoftware von Image Metrics sind schon recht perfekt eingesetzt worden. Es gibt aber nach wie vor einige Augenblicke, in denen Bewegungen dann doch zu weich oder zu perfekt wirken (z.B. vom „Häuptling“), diese sind aber in der Minderheit. Auch den Detailreichtum in Sachen Haut und Haaren habe ich gar nicht mehr so wahrgenommen wie auf den Standbildern, manchmal wirkten einige Oberflächen (z.B. von „Pferden“ und „Hunden“) doch noch recht glatt und künstlich. Die technischen Dinge wie Hubschrauber, Explosionen etc. dagegen waren wunderbar anzuschauen. Aber wer will Haare spalten – irgendwann achtet man sowieso mehr auf die Handlung als auf technische Feinheiten. Das gilt übrigens auch für den 3D-Effekt: Zu Anfang atemberaubend und in den ruhigen Momenten sehr schön zu beobachten, habe ich diesen Effekt mit Fortschreiten der Laufzeit und insbesondere in den Actionsequenzen gar nicht mehr wahrgenommen. War wohl Gewöhnung.

Der Film ist eine Materialschlacht – insofern ist der Hype wohl gerechtfertigt. Man sieht halt, dass den Beteiligten sowohl Zeit als auch Geld zur Verfügung standen. Eine Fleißarbeit war der Film auf alle Fälle – und er ist anderen CGI-MoCap-Filmen wie „Beowulf“ weit, weit voraus. Letztlich hat mich der Film aber „nur“ bestens unterhalten, der „offene-Mund-Effekt“ blieb dann aber doch aus. Deshalb gute 8 von 10 Punkten.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 20.12.2009, 22:11 von Aldridge.